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    Viel zu wenige Cannabis Social Clubs nach einem Jahr Teillegalisierung in Deutschland

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    Es war der Gedanke der vergangenen Regierungskoalition, mit der Legalisierung von Cannabis die Gesundheit von Patienten und Konsumenten zu schützen, besseren Jugendschutz zu gewährleisten und den Schwarzmarkthandel dank legaler Angebote zu bekämpfen.

    Leider konnten viele Pläne des Vorhabens aufgrund völkerrechtlicher Verträge und EU-Bestimmungen nicht wie gewünscht umgesetzt werden und so kam es zu der Teillegalisierung von Cannabis, die nur den Eigenanbau von drei Pflanzen pro Erwachsenem und die Abgabe von Marihuana in eigens dafür geschaffenen Vereinen ermöglicht. Profitiert haben dazu Menschen, die Cannabis als Medizin benötigen und nun einen erleichterten Zugang dazu haben. Beispielsweise über Telemedizin.

    Wichtig war es seit dem Inkrafttreten des Cannabiskonsumgesetzes, dass interessierte und engagierte Befürworter des Cannabis-Social-Club-Modells (CSC) in die Lage versetzt werden, ihren Verein zu gründen, die entsprechenden Voraussetzungen für gepflegte Produktion zu schaffen, das passende Objekt mieten dürfen und mit der benötigten Lizenz ausgestattet werden.

    Doch insbesondere der zuletzt genannte Aspekt ist im bürokratisch geprägten Deutschland zum Problem für viele CSCs geworden. Erst war nicht gesichert, welche Behörden die Ausstellung der Lizenzen und folgend die Überprüfungen der Clubs übernehmen sollten, dann war die Arbeitsleistung in den jeweiligen Ämtern gelinde gesagt recht lahm.

    Am Beispiel Berlin ist daher einfach zu erkennen, dass betreffend der Cannabis Social Clubs leider noch viel voranzugehen hat, bevor man zu aussagekräftigen Daten kommen kann, was das CanG tatsächlich für die Gesellschaft, den Schwarzmarkthandel und die Drogenpolitik allgemein zu bedeuten hat.

    Und das, während sich der stärkere Koalitionspartner einer neu gewählte Regierung sich schon im Vorfeld der Wahlen immer wieder lauthals gegen das Cannabisgesetz stark zu machen versuchte.

    Woran hapert es genau?

    Nach viel hin und her wurde festgelegt, dass in der Hauptstadt Berlin das Landesamt für Gesundheit (Lageso) für die Vergabe von Anbaulizenzen der Anträge stellenden CSCs verantwortlich ist. In einem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht wurde ersichtlich, dass von 29 eingegangenen Anträgen, die zwischen November 2024 und Juni 2025 eingereicht worden sind, bislang nur sieben Cannabis Social Clubs die notwendigen Genehmigungen zum Anbau von Cannabis erhalten haben.

    Da ein Cannabis Social Club im Höchstfall nur 500 Mitglieder mit bis zu 50 Gramm Marihuana im Monat versorgen darf, erhalten bei vollem Betrieb somit im Idealfall in der Millionenmetropole nur 3500 Menschen den Zugang zu legalem Genusscannabis.

    Da es auch erst nach dem Erhalt der Lizenz mit dem Cannabisanbau begonnen werden darf, Pflanzen viele Wochen für das Wachstum benötigen und anschließend auf richtige Art und Weise geerntet und getrocknet werden müssen, ist dazu mit zeitlichen Verzögerungen zu rechnen, bis tatsächlich alle Mitglieder in den bereits genehmigten CSCs an die gewünschten Waren gelangen.

    In Lichtenberg, Pankow, Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf sollen sich laut Angaben von RBB24 die Flächen für den genehmigten Cannabisanbau unter anderem befinden. Nach Verwirrung über die Zuständigkeit und einem damit verbundenen Bearbeitungsstau gestand auch Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) ein, dass das gesamte Verfahren noch nicht „rund“ laufen würde.

    Aus Sicht der Vereine

    Da es wegen strenger Regeln schon insgesamt für in Gründung befindlicher Anbauvereinigungen nicht leicht ist, an die entsprechenden Genehmigungen zu kommen, ist die Tatsache, dass sie sehr lange auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten müssen, ein weiteres großes Problem, um in diesem Sektor Fuß fassen zu können.

    Alleine ein Objekt anmieten zu können, dass den gesetzlichen Vorgaben entspricht, kann sich im Vorfeld bereits als schwierig gestalten. Sicherheitsmaßnahmen wie Umzäunung und gegen Einbrüche sind Pflicht, während die Anbauflächen nicht ersichtlich sein dürfen.

    Da dann erst nach der Erfüllung aller Vorgaben, das Lageso laut Präsident Alexander Straßmeir „zwischen rechtskonformer Sorgfalt und pragmatischer Verwaltungspraxis“ eine Balance zu finden hätte und erst ab November 24 mit dem Aufbau einer Fachgruppe zum Thema Cannabis beginnen konnte, zeigt den zeitlichen Aufwand der Gründer, bis zur Genehmigung ihres CSCs.

    Um in Deutschland und Berlin die Nutzer von Genusscannabis mittels legalem Abgabesystem durch Cannabis Social Clubs erreichen zu können, müssen noch viele Stellschrauben bewegt werden. Den Daten des CSC Dachverbandes nach, gibt es deutschlandweit derzeit gerade einmal 106 solcher Vereine, welche leider mit Sicherheit nicht die Nachfrage in der Bevölkerung nach legalem Cannabis decken können.

    Es ist daher nicht verwunderlich, wenn aufgrund der vielen Verzögerungen und Problematiken die Nutzer des natürlichen Rauschmittels auf Alternativen wie beispielsweise die Angebote von Telemedizin-Portalen zurückgreifen, auch wenn dies nicht im Sinne der Politik ist.

    Das jeder Patient und jedes Mitglied eines CSC aber dem Schwarzmarkt verloren geht, müsste auch von Kritikern befürwortet werden, da dies eines der Hauptziele des Cannabisgesetzes in Deutschland gewesen ist.

    Matthias Meyer

    Matthias Meyer is a seasoned journalist and editor based in Berlin, with over a decade of experience covering cannabis, gaming, and counterculture industries. He served as Editor-in-Chief of Hanf Journal, one of Germany’s leading cannabis publications, from 2016 to 2021, where he oversaw editorial strategy, reporting, and digital development. As a contributing author to Business of Cannabis, he brings deep insights into Germany’s evolving cannabis landscape, drawing on years of frontline reporting, event coverage, and industry commentary.