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    Mehr Cannabisschmuggel nach Deutschland seit der Teillegalisierung

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    Mit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes in Deutschland sollte aufgrund eines veränderten Umgangs mit dem beliebten Rauschmittel die Drogenpolitik im Land verbessert werden.

    Der Schwarzmarkt sollte eingedämmt, der Jugendschutz gestärkt und die Gesundheit der Konsumenten durch einen legalen Zugang besser geschützt werden.

    Da leider nicht alle einst geplanten Vorhaben umgesetzt werden konnten und weder genügend Cannabis zeitnah in Social Clubs noch die Telemedizin den Bedarf in der Bevölkerung decken können, wird ein Großteil der Nachfragenden immer noch von illegal agierenden Straßenhändlern bedient.

    Dieses Cannabis wird zwar zu gewissen Anteilen im Land in versteckten Anlagen angebaut, doch sehr viel Schwarzmarktware kommt weiterhin aus dem Ausland.

    Weil sich dazu gewisse Länder in die Richtung einer liberaleren Politik bewegten, erscheint es verständlich, dass aus diesen Gefilden versucht wird, Cannabis nach Deutschland zu schmuggeln.

    Wie im Juni bereits bekannt wurde, hat der Zoll seit der Teillegalisierung im vergangenen Jahr eine Rekordmenge geschmuggelten Cannabis beschlagnahmt.

    Es kommt immer häufiger zum Cannabisschmuggel nach Deutschland seit der Teillegalisierung.

    Autos, Züge und Flugzeuge

    Im Juni wurde seitens Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) in Hamburg die aktuelle Jahresstatistik des Zolls präsentiert, die ein überraschendes Ergebnis preisgab.

    Während Cannabis in Teilen hierzulande legalisiert wurde, der Eigenanbau von drei Pflanzen erlaubt worden ist und Cannabis Social Clubs gegründet werden durften, hat sich auch der Schmuggel des beliebtesten noch zuvor illegalen Rauschmittels nach Deutschland stark erhöht.

    So ist die beschlagnahmte Menge im Vergleich zum Jahr 2023 um fast vier Tonnen gestiegen, was ein Plus von rund 50 Prozent ausmacht. Insgesamt wären 12.618 Kilogramm vom Zoll gefunden worden, während es im Vorjahr noch 8.642 Kilogramm waren.

    Für den Schmuggel genutzt würden Transportmittel jeglicher Art: Autos, Züge und Flugzeuge.

    Wie Welt.de berichtete, erkennen die Spezialisten der Generalzolldirektion einen gewissen Zusammenhang zwischen dem heftigen Ansteigen des Cannabisschmuggels und der Teillegalisierung in Deutschland und sehen zumindest einen der Gründe für die gestiegene Menge darin.

    Weil ein höheres öffentliches Interesse an Cannabis bestünde, wäre es möglich, dass „häufiger kleinere Mengen in Verkehr gebracht und dadurch auch vermehrt festgestellt“ worden sind, so ein Sprecher des Zolls.

    Es könne sein, dass bei mehr Menschen der Irrglaube herrsche, dass die Einfuhr ins Land nun legal sei, sodass immer häufiger Personen Cannabis im Auto, im Zug oder im Reisegepäck per Flugzeug einzuschmuggeln versuchten.

    Dass dies jedoch nicht erlaubt ist, wird aber deutlich betont. Eine Ein-, Aus- und Durchfuhr von Cannabis ist nach wie vor verboten und strafbar.

    Kleiner Mengen aus den Niederlanden, größere Mengen meist aus Spanien

    Ein Grund für die Einfuhr von Cannabis liegt natürlich an den schwierigen Umständen hierzulande legal an Cannabis zu gelangen.

    Die Social Clubs, von denen es bislang knapp 300 in ganz Deutschland gibt, warteten lange Zeit auf ihre Anbaulizenzen, benötigen anschließend viel Zeit, die Pflanzen zu züchten und dürfen jeweils gerade einmal 500 Mitglieder versorgen.

    Wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte, die eine Versorgung für mehr Menschen möglich machen würden, lassen bis heute auf sich warten. Der Eigenanbau ist für manchen Menschen vielleicht zu umständlich oder es fehlt die Zeit und Erfahrung, um sich selbst mit dem gewünschten Produkt zu versorgen.

    So liegt es nahe, dass Länder bereist werden, wo der Umgang mit dem natürlichen Rauschmittel schon fortgeschrittener ist und man es einfach erwerben kann. Auf der Rückreise in die Heimat wird dann versucht, es einfach über den Landweg mitzunehmen.

    So wird gesagt, dass kleinere Mengen oft aus dem benachbarten Holland stammen, das schon lange für seine Coffeeshops berühmt ist. Wenn es um größere Mengen ginge, würden weiterhin Routen aus Spanien über Frankreich genutzt.

    Der Anstieg der vom Zoll aufgefundenen Mengen von gut vier Tonnen lasse sich jedoch nicht eindeutig über die „Kleinsicherstellung“ übertragen, da die Behörde, die direkt dem Finanzministerium untersteht, keine genauere Aufgliederung ihrer Arbeit in diesem Feld liefern kann.

    Wie der Zoll selbst mitteilt, könne somit auch „keine statistisch belastbare Aussage zu einem Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Cannabis-Sicherstellungen und der Teillegalisierung 2024“ getätigt werden.

    Thailand, Kanada, USA

    Hingewiesen wird dafür, dass auch andere Länder zu dem Anstieg beigetragen haben könnten.

    So werden Thailand, Kanada und die Vereinigten Staaten genannt, von wo aus über den See- oder Luftweg dann größere Mengen nach Deutschland kämen.

    Die Legalisierung in den genannten Ländern hätte laut Generalzolldirektion „zu einer erleichterten Verfügbarkeit und damit auch zu einer Zunahme illegaler Einfuhren nach Deutschland geführt“.

    Vermehrt hätten daher Großsicherstellungen an See- und Flughäfen stattgefunden.

    Statistisch belastbare Aussagen, wie viel aber genau aus Thailand, Kanada und den USA ins Land gekommen wären, könne man aber auch hier nicht liefern.

     

    Wie stark diese Entwicklung in die erste Evaluierung des Cannabisgesetzes, die für den Herbst angesetzt ist, seitens der Politik gewertet werden wird, muss abgewartet werden, doch scheint es nahezu sicher, dass hier ein neues Argument für Gegner des CanG gefunden werden kann.

    Es bleibt somit spannend, ob diesbezüglich, wie von dem Bundesdrogenbeauftragten der Bundesregierung Hendrik Streeck geäußert, eine evidenzbasierte und wissenschaftlich fundierte Politik gemacht werden wird.

    Die Aufgabe ist schließlich auch seiner Meinung nach viel zu komplex für einfache Antworten und die Gesamtsituation betreffend des legalen Zugangs zu Marihuana aufgrund zu vieler Einschränkungen nicht ideal.

    Matthias Meyer

    Matthias Meyer is a seasoned journalist and editor based in Berlin, with over a decade of experience covering cannabis, gaming, and counterculture industries. He served as Editor-in-Chief of Hanf Journal, one of Germany’s leading cannabis publications, from 2016 to 2021, where he oversaw editorial strategy, reporting, and digital development. As a contributing author to Business of Cannabis, he brings deep insights into Germany’s evolving cannabis landscape, drawing on years of frontline reporting, event coverage, and industry commentary.