In der Tschechischen Republik wird schon seit längerer Zeit eine weniger strenge Cannabispolitik umgesetzt. Nun hatte Anfang Juni das Parlament einem Gesetzesentwurf zugestimmt, der einer Teillegalisierung gleichkommt. Diesem stimmte jetzt zu Beginn dieses Monats auch der Senat zu, sodass im nächsten Jahr zum 01. Januar Cannabis vollständig entkriminalisiert sein wird.
47 Ja-Stimmen erhielt der Vorschlag von 62 anwesenden Senatoren, Cannabis künftig ab einem Alter von 21-Jahren zu entkriminalisieren. Personen in diesem Alter dürfen ab Anfang 2026 fortan bis zu drei Cannabispflanzen anbauen, 25 Gramm mit sich führen und bis zu 100 Gramm in den eigenen vier Wänden besitzen. Insgesamt ähnelt die dort stattfindende Entkriminalisierung dem deutschen Cannabisgesetz, welches im Herbst und final im Frühjahr 2026 von der hiesigen Politik überprüft werden soll.
Auch wenn ursprünglich geplant gewesen war, Cannabis Social Clubs und sogar Fachgeschäfte in Tschechien zu etablieren, ist von diesen Formen der Versorgung auch dort nun erst einmal offensichtlich abgerückt worden. Dennoch stellt die Entwicklung betreffend der anstehenden Änderung des Strafgesetzbuches eine der liberalsten Cannabispolitik in ganz Europa dar.
Wie der Deutsche Hanfverband mitteilte, wird man in der Tschechischen Republik dazu auch eine Änderung anpeilen, was die medizinische Nutzung von Psilocybin betrifft. Künftig wird es dort erlaubt sein, zu therapeutischen Zwecken auf den bekannten Wirkstoff von „Magic Mushrooms“ zurückzugreifen, was ein Novum bezüglich der medizinischen Nutzung in ganz Europa darstellt.
Medizinischer Sektor von Cannabis in Tschechien
Seit dem 01. April gilt auch in der tschechischen Republik, dass Patienten mit starken Schmerzen unter Umständen mit medizinischem Cannabis behandelt werden können. Doch auch wenn bereits seit etwas über drei Jahren im großen Stil aufgrund von Gesetzesänderungen Cannabis zu medizinischen Zwecken produziert werden darf, blieb davon bislang sehr wenig im eigenen Land.
Die Erntemenge im Jahr 2024 belief sich laut Aussagen des tschechischen Gesundheitsministeriums auf etwas mehr als 4660 Kilogramm insgesamt. Doch nur 200 Kilogramm des Unternehmens Lagom Pharmatech landeten beispielsweise in tschechischen Apotheken, obwohl der mit sechs „Zuchtkojen“ arbeitende Cannabisproduzent jährlich mehr als vier Tonnen getrocknetes Material herstellt.
Lagom Pharmatech gilt als größter Produzent von Medizinalhanf in Tschechien, der nach eigener Aussage den größten Teil seiner Produkte nach Deutschland exportiert. Insgesamt arbeiten bei dem Unternehmen 65 Personen aus dem 1400-Seelen-Dorf Osek und dessen Umgebung, was einmal mehr zeigt, dass ein legaler Cannabissektor vor Ort befriedigende Arbeitsplätze schafft.
So wird auf Radio Prague International die ehemals als Kindergärtnerin arbeitende Marcela Orcigová dahingehend zitiert, dass sie sehr viel Freude am Wachstumsprozess der Pflanzen habe.
Deutschland der verlockendere Markt
Die Lizenz zur Züchtung von Cannabis für Heilzwecke besitzen in Tschechien laut dem Direktor des staatlichen Instituts für Arzneimittelkontrolle (SÚKL) aktuell zehn Anbieter. Wobei Tomáš Boráň ausführt, dass die Menge der aus medizinischem Hanf hergestellten Zwischenprodukte nicht beschränkt wäre. Auch er bestätigt, dass nur 263 Kilogramm im Jahr 2024 in tschechischen Apotheken verkauft worden seien.
Hierfür sieht Tomáš Kubálek, der Vorsitzende des Züchterverbands für medizinische Hanfpflanzen, einen eindeutigen Grund. Die Ambitionen der produzierenden Firmen zielten nicht unbedingt auf den tschechischen Markt ab, sondern sie würden eher nach Deutschland exportieren wollen.
Stanislav Havlíček, Vorstandsmitglied der Ärztekammer, nennt auch die Gesetzeslage als Grund für die Exportambitionen. Offizielle Statistiken belegen schließlich, dass Apotheken in Deutschland pro Kopf etwa 34-Mal mehr Cannabis zu Behandlungszwecken ausgeben als jene in Tschechien, was Havlíček begründen kann.
In Österreich und Deutschland funktioniere der Verkauf, da es dort eine gewisse Entkriminalisierung gegeben hat. „Die Nutzung wurde erleichtert, und die Patienten zahlen selbst dafür. Dadurch sind die Umsatzzahlen im Jahresvergleich deutlich angestiegen“, so Havlíček.
Im Gegensatz zu den Patienten in der Tschechischen Republik, die nach einer Verschreibung per Rezept an das circa acht Euro pro Gramm kostende Cannabis gelangen, dessen Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.
Wenn im nächsten Jahr die Entkriminalisierung stattfinden wird, dürfte sich auch in Tschechien diesbezüglich einige Vorgänge ändern. Mit ziemlicher Sicherheit, profitieren neben Patienten und Konsumenten dort aber ähnlich wie in Deutschland in erste Linie die Produzenten von Gärtnereibedarf: Lampen, Messgeräte, Zelte.
Wie bei einem Goldrausch üblich, immer erst die Anbieter von Schaufeln und Spaten im Auge haben!