Bislang hatten Hanfbauern in der EU öfter Probleme an entsprechende finanzielle Beihilfen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu gelangen oder gar ihre Hanfprodukte passend zu vermarkten.
Dies lag in erster Linie an herrschenden Unstimmigkeiten durch geltende Vorschriften der einzelnen Mitgliedstaaten, die die volle Nutzung des wirtschaftlichen Potenzials beim Nutzhanfanbau einschränkten und sich insbesondere auf die Verwendung der Blüten bezogen.
Somit litten die Hanfbauern in der Vergangenheit darunter, verfügbare Fördergelder nicht zu erhalten.
Jetzt möchte die EU-Kommission diese Situation verbessern und den Nutzhanfanbau stärken, indem auch Blüten als landwirtschaftliche Produkte anerkannt werden, sodass die Landwirte beispielsweise einen erleichterten Zugang zu den existierenden Fördermitteln bekommen könnten.
Alle Teile der Pflanze werden landwirtschaftliche Produkte
Künftig sollen alle von Hanfbauern gewonnenen Teile der Hanfpflanze als landwirtschaftliche Produkte eingestuft werden, was diesen Landwirten ein gewisses Maß an Rechtssicherheit verschaffen und sich insbesondere auch auf die Beihilfen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) beziehen würde.
Dies sieht der jüngste Vorschlag zur Novelle der Gemeinsamen Marktorganisation vor.
Damit zählten nicht länger nur die aus Hanffasern gewonnenen Textilen, Papier, Seile, Dämmstoffe und Futter- oder Nahrungsmittel zu den wichtigsten Bereichen dieses landwirtschaftlichen Sektors, sondern auch die Blüten dürften zukünftig eine große Rolle beim Anbau von Industriehanf spielen.
Gewisse Regeln bleiben bestehen
Aufrechterhalten möchte die EU-Kommission aber, dass selbst mit der neuen Rechtsvorschrift die strenge Zertifizierung des Saatgutes und die Einhaltung des THC-Grenzwertes von 0,3 Prozent stets eingehalten werden, was den Schutz der öffentlichen Gesundheit garantieren soll.
Wie topagrar.com berichtet, wäre im Jahr 2024 mit rund 7.100 Hektar Nutzhanf-Anbaufläche in Deutschland ein neuer Rekordwert in diesem landwirtschaftlichen Bereich erreicht worden. Doch Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) würden darüber Auskunft geben, dass die Zahl der Betriebe, die Nutzhanf anbauen würden, leicht rückläufig seien.
Dies könnte sich mit der geplanten EU-weiten Veränderung in Bezug auf den Umgang mit THC-armen Cannabisblüten jedoch vielleicht wieder ändern.
Symbiotic sieht Chancen
Die europäische Unternehmensgruppe für Medizinalcannabis und Industriehanf Symbiotic SE sieht neben großem Potenzial im Medizinalhanfsektor in jedem Fall große Wachstumschancen auch in den Bereichen des Industriehanfs.
In einer auf beorse.de veröffentlichen Mitteilung wird darüber berichtet, dass man die strategische Expansion zukünftig noch mehr auf die wachstumsstärksten Märkte für medizinisches Cannabis und industriellen Hanf konzentrieren wolle.
So will man eine Verdreifachung des Umsatzes bis zum Jahr 2027 erreichen und neben den Entwicklungen auf dem medizinischen Markt vom starken Aufschwung im Industriehanfsektor profitieren. Man erkenne beispielsweise ein großes kommerzielles Potenzial in dem erwarteten deutschen Nutzhanfliberalisierungsgesetz und der EU-Zulassung von CBD als neuartigem Lebensmittel, was als regulatorischer Fortschritt betrachtet wird.
Aktuell würde bereits „allein die Nachfrage nach Hanflebensmitteln und Hanffuttermitteln dieses Jahr eine Steigerung von 300 bis 400 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“ aufzeigen.